Karin und Thomas Kühtreiber:
Regionalisierung des Wallfahrens – Regionalisierung durch Wallfahren? St. Pölten und sein Umland in der Frühen Neuzeit als Fallstudie

Karin und Thomas Kühtreiber (Wien/Krems an der Donau):

Regionalisierung des Wallfahrens – Regionalisierung durch Wallfahren? St. Pölten und sein Umland in der Frühen Neuzeit als Fallstudie

Zeit: Mittwoch, 18.01.2023, 18:30–20:00 Uhr

Bitte beachten Sie ferner die an der Universität Wien geltenden Covid-19 Maßnahmen.

Institut für Geschichte, Universität Wien, Universitätsring 1, 1010 Wien, HS 30

Online-Tool: https://univienna.zoom.us/j/61925983365?pwd=N3pJVld2Zk1LcHdHYTJkeERqUGNpZz09

Der Gastlink ist am Tag des Vortrags ab 18:15 aktiv, geben Sie bitte bei der Anmeldung Ihren Namen ein.

Moderation: Sabine Miesgang

Abstract:

Es gehört zu den Meistererzählungen der Historischen Wallfahrtsforschung, dass das im Zuge der Gegenreformation stark forcierte Wallfahren bewusst auf regionale Verehrungsziele gelenkt wurde. Als Hauptgründe für diese Entwicklung werden Territorialisierung und bessere Kontrolle der Untertanen nebst der Förderung von Gnadenorten im eigenen grundherrschaftlichen Bereich genannt. Der Vortrag fokussiert für eine kritische Beleuchtung dieser Sichtweise auf den Niederösterreichischen Zentralraum: Auf Grundlage der religiösen Medaillen aus dem 1779 aufgelassenen Stadtfriedhof von St. Pölten wird ein Blick aus der Stadt auf die anhand der archäologischen Funde fassbaren Wallfahrtsorte geworfen. Des Weiteren wird der Frage nach den sozialen Institutionen (Orden, Bruderschaften) nachgegangen, die im gesamten Medaillenspektrum fassbar werden. Die Blickrichtung auf die Region und die Stadt St. Pölten erfolgt aus der Perspektive der Wallfahrtsorte Maria Taferl und Maria Langegg, beides Pilgerziele, die in ein bis zwei Tagen Gehzeit von St. Pölten aus erreichbar waren und welche nachweislich von Prozessionen aus St. Pölten aufgesucht wurden. Quellenbasis für diese Untersuchung sind vor allem Rechnungsbücher. Die Doppelperspektivierung bringt nicht nur Überlieferungslücken zum Vorschein, sondern wirft die Frage auf, wie „Region“ aus der jeweiligen Quellen- und Akteursperspektive als Analysekategorie erfasst werden kann.

Zu den Personen:

Karin Kühtreiber, Studium der Ur- und Frühgeschichte und Geschichte an der Universität Wien, Promotion zu den Ausgrabungsergebnissen der hochmittelalterlichen Burg Dunkelstein (Niederösterreich). Seither freischaffende Wissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkten in der Burgenarchäologie, frühmittelalterlichen Siedlungen sowie mittelalterlich-frühneuzeitlichen Bestattungskulturen. | Thomas Kühtreiber, Studium der Ur- und Frühgeschichte, Geschichte, Volkskunde und Erdwissenschaften an der Universität Wien, Promotion zu den Ausgrabungsergebnissen in der Alten Universität in Wien. Seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (bis 2012 ÖAW, seither Universität Salzburg). Forschungsschwerpunkte in der Siedlungs- und Landschaftsarchäologie, Burgen- und Bauernhausforschung, zu mittelalterlichen Schatzfunden und zur Historischen Wallfahrtsforschung.